Das Ende des Kapitalismus
by Ulrike Herrmann
So paradox es klingen mag: Ausbeutung macht nicht reich. Diese Erfahrung mussten alle Kolonien machen, die auf Sklavenarbeit setzten. Brasilien blieb genauso rückständig wie Jamaika oder der US-Staat Mississippi. Einzelne Plantagenbesitzer wurden zwar sehr vermögend, aber insgesamt entwickelte sich die Volkswirtschaft nicht. Da die Sklaven entrechtet waren und keinen Lohn erhielten, fehlte die Massenkaufkraft, damit sich Technik rentierte. Es ist kein Zufall, dass sich nur der Norden der USA industrialisierte, wo es kaum Sklaven gab. Die Industrialisierung begann in England, weil dort die höchsten Löhne der Welt gezahlt wurden. Jahrhundert verdienten englische Arbeiter mindestens dreimal so viel wie ihre Kollegen auf dem europäischen Kontinent. [57] Nur weil Tagelöhner teuer waren, hat es sich erstmals gelohnt, Maschinen einzusetzen, um Arbeitskräfte einzusparen.
Die Industrialisierung begann in England, weil dort die höchsten Löhne der Welt gezahlt wurden. Jahrhundert verdienten englische Arbeiter mindestens dreimal so viel wie ihre Kollegen auf dem europäischen Kontinent. [57] Nur weil Tagelöhner teuer waren, hat es sich erstmals gelohnt, Maschinen einzusetzen, um Arbeitskräfte einzusparen.
Manche Ökonomen meinen irrtümlichweise, dass die Textilindustrie notwendig eine »arbeitsintensive Branche« sei, die in Länder des globalen Südens ausgelagert worden wäre. [143] Tatsächlich ist es genau andersherum: Die Kleiderindustrie nutzt nur deswegen keine Maschinen, weil die Löhne in den armen Ländern so niedrig sind.
Wachstum kann nur entstehen, wenn Kredite aufgenommen werden – aber genau diese Darlehen lassen sich anschließend nur zurückzahlen, wenn es weiteres Wachstum gibt. Es ist kein Zufall, dass der Kapitalismus gleichzeitig eine Geldwirtschaft ist. Er wird durch Kredite angetrieben.
England hatte also die teuersten Arbeitskräfte und die billigste Energie. Diese Kombination war weltweit einmalig, und sie erklärt, warum die Industrialisierung in England begann. Nur in England war es profitabel, Menschen durch Maschinen zu ersetzen.
Seit Urzeiten war die Menschheit gezwungen gewesen, nur so viel zu verbrauchen, wie die lebende Natur liefern konnte. Diese »organische« Ära endete nun und wurde durch ein fossiles Zeitalter abgelöst.
"So paradox es klingen mag: Ausbeutung macht nicht reich. Diese Erfahrung mussten alle Kolonien machen, die auf Sklavenarbeit setzten. Brasilien blieb genauso rückständig wie Jamaika oder der US-Staat Mississippi. Einzelne Plantagenbesitzer wurden zwar sehr vermögend, aber insgesamt entwickelte sich die Volkswirtschaft nicht. Da die Sklaven entrechtet waren und keinen Lohn erhielten, fehlte die Massenkaufkraft, damit sich Technik rentierte. Es ist kein Zufall, dass sich nur der Norden der USA industrialisierte, wo es kaum Sklaven gab."
"Die Industrialisierung begann in England, weil dort die höchsten Löhne der Welt gezahlt wurden. Jahrhundert verdienten englische Arbeiter mindestens dreimal so viel wie ihre Kollegen auf dem europäischen Kontinent. [57] Nur weil Tagelöhner teuer waren, hat es sich erstmals gelohnt, Maschinen einzusetzen, um Arbeitskräfte einzusparen."
"Manche Ökonomen meinen irrtümlichweise, dass die Textilindustrie notwendig eine »arbeitsintensive Branche« sei, die in Länder des globalen Südens ausgelagert worden wäre. [143] Tatsächlich ist es genau andersherum: Die Kleiderindustrie nutzt nur deswegen keine Maschinen, weil die Löhne in den armen Ländern so niedrig sind."
"Wachstum kann nur entstehen, wenn Kredite aufgenommen werden – aber genau diese Darlehen lassen sich anschließend nur zurückzahlen, wenn es weiteres Wachstum gibt. Es ist kein Zufall, dass der Kapitalismus gleichzeitig eine Geldwirtschaft ist. Er wird durch Kredite angetrieben."
"England hatte also die teuersten Arbeitskräfte und die billigste Energie. Diese Kombination war weltweit einmalig, und sie erklärt, warum die Industrialisierung in England begann. Nur in England war es profitabel, Menschen durch Maschinen zu ersetzen."
"Seit Urzeiten war die Menschheit gezwungen gewesen, nur so viel zu verbrauchen, wie die lebende Natur liefern konnte. Diese »organische« Ära endete nun und wurde durch ein fossiles Zeitalter abgelöst."
"Angeblich konsumieren wir uns zu Tode – aber dies ist eine falsche Wahrnehmung. Wir produzieren uns zu Tode. Das kollektive Ziel ist Vollbeschäftigung, nicht Vollkonsum."
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