2022

Wir informieren uns zu Tode: Ein Befreiungsversuch für verwickelte Gehirne (German Edition)

by Gerald Hüther

★★★★★

Wenn diese Kommunikation aber unsere Gehirne überflutet, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Gefühle, Vorstellungskraft, Entdeckerfreude, Neugier, ganzheitliches Verständnis gehen verloren. Und weil unser Gehirn solche Ungleichgewichte auszugleichen sucht, macht es irgendwann zu, entscheidet sich, angesichts der Informationsflut anzulegen in vermeintlichen Heimathäfen im Verständnis unseres Ich und der Welt. Sowohl in unserer Selbstwahrnehmung als auch in der Kommunikation miteinander werden wir so zu allzu willfährigen Opfern unserer eigenen Narrative. Unsere Geschichten über uns selbst berauben uns der Freiheit zur Veränderung und verleiten uns zu Urteilen über andere, die der Realität der ständigen Veränderung nicht gerecht werden können.

Core Learnings
01

Sowohl in unserer Selbstwahrnehmung als auch in der Kommunikation miteinander werden wir so zu allzu willfährigen Opfern unserer eigenen Narrative. Unsere Geschichten über uns selbst berauben uns der Freiheit zur Veränderung und verleiten uns zu Urteilen über andere, die der Realität der ständigen Veränderung nicht gerecht werden können.

02

Im Vergleich zu den großen Erfindungen und Technologien, die das Maschinenzeitalter eingeleitet hatten, ist die digitale Revolution praktisch über Nacht über uns hereingebrochen. Und nun laufen wir Gefahr, dem Zauberlehrling immer ähnlicher zu werden, der etwas in Gang gesetzt hat, dem er selbst nicht gewachsen ist.

03

Unterstützt wird der Confirmation Bias durch etwas, das die Experten den »Reputation Bias« nennen. Er funktioniert ganz ähnlich: Wir nehmen nur Dinge wahr, die jene Position bestätigen, die uns größtmögliche Anerkennung in unserem gesellschaftlichen Umfeld sichert. So schützen wir unseren Ruf (engl., »reputation«).

04

Die Möglichkeit zur unmittelbaren Reaktion trägt direkt zur Radikalisierung von Positionen bei. Das ist keine Nebenwirkung, das ist so gewollt, weil es gut fürs Geschäft ist, denn mehr Aufregung macht mehr Klicks und mehr Klicks machen mehr Geld. Das ist das neue Gesetz der Schwerkraft in der digitalisierten Welt.

05

Heute denken wir permanent, versuchen andauernd, neuen Botschaften einen Sinn zu geben. Wir versuchen, uns einzuordnen in die Welt, die wir wahrnehmen. Allein die Tatsache, dass wir ständig das Gefühl haben, nicht mehr alles mitzubekommen, erzeugt Stress und Verunsicherung in jedem Einzelnen.

Top Highlights
"Wenn diese Kommunikation aber unsere Gehirne überflutet, kommt es zu einem Ungleichgewicht. Gefühle, Vorstellungskraft, Entdeckerfreude, Neugier, ganzheitliches Verständnis gehen verloren. Und weil unser Gehirn solche Ungleichgewichte auszugleichen sucht, macht es irgendwann zu, entscheidet sich, angesichts der Informationsflut anzulegen in vermeintlichen Heimathäfen im Verständnis unseres Ich und der Welt."
"Sowohl in unserer Selbstwahrnehmung als auch in der Kommunikation miteinander werden wir so zu allzu willfährigen Opfern unserer eigenen Narrative. Unsere Geschichten über uns selbst berauben uns der Freiheit zur Veränderung und verleiten uns zu Urteilen über andere, die der Realität der ständigen Veränderung nicht gerecht werden können."
"Im Vergleich zu den großen Erfindungen und Technologien, die das Maschinenzeitalter eingeleitet hatten, ist die digitale Revolution praktisch über Nacht über uns hereingebrochen. Und nun laufen wir Gefahr, dem Zauberlehrling immer ähnlicher zu werden, der etwas in Gang gesetzt hat, dem er selbst nicht gewachsen ist."
"Unterstützt wird der Confirmation Bias durch etwas, das die Experten den »Reputation Bias« nennen. Er funktioniert ganz ähnlich: Wir nehmen nur Dinge wahr, die jene Position bestätigen, die uns größtmögliche Anerkennung in unserem gesellschaftlichen Umfeld sichert. So schützen wir unseren Ruf (engl., »reputation«)."
"Die Möglichkeit zur unmittelbaren Reaktion trägt direkt zur Radikalisierung von Positionen bei. Das ist keine Nebenwirkung, das ist so gewollt, weil es gut fürs Geschäft ist, denn mehr Aufregung macht mehr Klicks und mehr Klicks machen mehr Geld. Das ist das neue Gesetz der Schwerkraft in der digitalisierten Welt."
"Heute denken wir permanent, versuchen andauernd, neuen Botschaften einen Sinn zu geben. Wir versuchen, uns einzuordnen in die Welt, die wir wahrnehmen. Allein die Tatsache, dass wir ständig das Gefühl haben, nicht mehr alles mitzubekommen, erzeugt Stress und Verunsicherung in jedem Einzelnen."
"Aber in dieser Welt gibt es auch Mechanismen, die dazu geeignet sind – und manche von ihnen sind speziell so angelegt – dass wir Kontrolle abgeben. Dann droht uns die Informationsflut mitzureißen und wir werden vom aktiv kommunizierenden Menschen zum Objekt fremder Interessen."

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