Realitätsschock
von Sascha Lobo
Die nachhaltigste Ernährungsweise aber bestünde aus Lebensmitteln, die unverpackt, regional, saisonal, vegan sind und aus zertifiziertem ökologischem Anbau ohne Anwendung von künstlichen Düngern, Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden stammen. »Öko« und »Bio« sind zwar in Europa als Begriffe geschützt, aber das Bild, das in der Öffentlichkeit dabei entsteht, ist arg romantisiert. Eine OECD-Studie zur sozialen Mobilität offenbart 2018 den ökonomischen Hintergrund des Integrationsversagens in Europa. Damit aus einer Familie mit niedrigem Einkommen eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen wird, sind in Spanien, Belgien und den Niederlanden im Schnitt vier Generationen notwendig. In Österreich, Italien, Portugal und Irland sind es fünf und in Deutschland und Frankreich sogar sechs Generationen. Das sind nach üblichen demografischen Kriterien einhundertfünfzig Jahre.
Die nachhaltigste Ernährungsweise aber bestünde aus Lebensmitteln, die unverpackt, regional, saisonal, vegan sind und aus zertifiziertem ökologischem Anbau ohne Anwendung von künstlichen Düngern, Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden stammen. »Öko« und »Bio« sind zwar in Europa als Begriffe geschützt, aber das Bild, das in der Öffentlichkeit dabei entsteht, ist arg romantisiert.
Bildung ist zwar der Schlüssel, mit dem eine Volkswirtschaft die Digitalisierung produktiv bewältigen kann. Aber es gilt längst die alte Formel nicht mehr, nach der gute Bildung auch gute Arbeit und oft Wohlstand nach sich zieht. Die digital getriebene Verflüssigung wirkt auch auf die Bildung selbst. Life Long Learning, das lebenslange Lernen, war über viele Jahre eine inhaltsarme Alliteration.
»Mit der Aufforderung, stolz auf die türkische Herkunft zu sein, vermittelt [Erdoğan] Menschen Selbstwirksamkeit, die sich hier im alten Europa ausgegrenzt und an den Rand gedrängt sehen.« Wenn sich derart viele Menschen ausgegrenzt fühlen, die zum Teil in der dritten oder vierten Generation in Deutschland wohnen – dann muss man von einer jahrzehntelangen Geschichte des Scheiterns sprechen.
»Der Transfer von Wissen, Haltungen oder Verhaltensweisen von Kindern auf Eltern scheint ein vielversprechender Weg, um die sozialen und ideologischen Hürden der Sorge um das Klima zu überwinden.« Fridays for Future hat jetzt auch eine wissenschaftliche Grundlage, um die Welt zu verändern, und wir, der Rest der Gesellschaft, müssen der Klimajugend dabei mit aller Kraft helfen.
Die Automatisierung macht die Massen nicht arbeitslos, sondern ärmer, jedenfalls die weniger gut Ausgebildeten. Weil sie immer leichter ersetzbar werden. Während wir uns gegenseitig erschrecken mit allen möglichen Statistiken, welche Branchen in zehn Jahren durchautomatisiert sein werden, entsteht schon jetzt ein Automatisierungsprekariat – in Echtzeit.
"Die nachhaltigste Ernährungsweise aber bestünde aus Lebensmitteln, die unverpackt, regional, saisonal, vegan sind und aus zertifiziertem ökologischem Anbau ohne Anwendung von künstlichen Düngern, Pflanzenschutzmitteln oder Insektiziden stammen. »Öko« und »Bio« sind zwar in Europa als Begriffe geschützt, aber das Bild, das in der Öffentlichkeit dabei entsteht, ist arg romantisiert."
"Eine OECD-Studie zur sozialen Mobilität offenbart 2018 den ökonomischen Hintergrund des Integrationsversagens in Europa. Damit aus einer Familie mit niedrigem Einkommen eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen wird, sind in Spanien, Belgien und den Niederlanden im Schnitt vier Generationen notwendig. In Österreich, Italien, Portugal und Irland sind es fünf und in Deutschland und Frankreich sogar sechs Generationen. Das sind nach üblichen demografischen Kriterien einhundertfünfzig Jahre."
"Bildung ist zwar der Schlüssel, mit dem eine Volkswirtschaft die Digitalisierung produktiv bewältigen kann. Aber es gilt längst die alte Formel nicht mehr, nach der gute Bildung auch gute Arbeit und oft Wohlstand nach sich zieht. Die digital getriebene Verflüssigung wirkt auch auf die Bildung selbst. Life Long Learning, das lebenslange Lernen, war über viele Jahre eine inhaltsarme Alliteration."
"Für die mit dem Internet aufgewachsenen Generationen aber fühlt es sich selbstverständlich an, immer wieder neue Instrumente, neue Geräte und neue soziale Praktiken zu erlernen. Millennials und die danach folgende Generation Z würden diese ständige Informationsaufnahmebereitschaft vielleicht nicht einmal mehr als Lernen betrachten. Arbeit und Bildung verschmelzen bis zur Ununterscheidbarkeit. Weil so schwer abschätzbar ist, welche Kenntnisse in zwanzig Jahren gebraucht werden, liegt schon heute die wichtigste Fähigkeit auf der Metaebene der Bildung: Lernen zu lernen. Das hört sich an wie eine Plattitüde, aber ist doch die sinnvollste Annäherung an eine Welt, deren Zukunft vielleicht schwieriger vorherzusagen ist als je zuvor."
"Weiße, christliche, heterosexuelle Menschen in Europa oder den USA mussten sich nie Gedanken machen über ihre Identität, denn sie waren »normal«, sie gehörten ab Werk dazu. Durch die Pluralisierung ändert sich das, diagnostiziert Charim, unversehens stellt sich für die zuvor »Normalen« erstmals die Frage: Wer bin ich, wer sind die anderen, was unterscheidet uns? So banal sich das anhören mag, so tief greifend die Wirkung. Wer sich zur eigenen Identität nie Gedanken machen musste und sich plötzlich dazu gezwungen fühlt, greift schnell zum einfachsten Instrument der Identitätsherstellung: Abgrenzung. Allerdings begegnet diese Vervielfältigung von Lebensentwürfen nicht jedem auf gleiche Weise. Was sich in wohlhabenden Wohngegenden anfühlen mag wie eine wunderbar bunte Gesellschaft, kann in ärmeren Bezirken der Stadt zur Konfrontation mit den Wertevorstellungen »bildungsferner« Nachbarsfamilien zusammenschnurren. Die sozialmediale Öffentlichkeit bewirkt, dass man sich aussuchen kann, ob man online häufiger die schöne Buntheit oder migrantisch geprägte soziale Brennpunkte vorgeführt bekommt. Zur Realität einer vielfältigen Gesellschaft gehört beides. Eine der lautesten rechtsextremen Gruppen, die gegen diese Vielfalt ankämpft, ist die »Identitäre Bewegung«. Obwohl sie nicht besonders groß ist, gelingen ihr immer wieder reichweitenstarke PR-Aktionen, weil klassische Medien mit ihren Maßstäben von Nachrichtenwert und Relevanz sehr berechenbar sind und die Aufmerksamkeitsökonomie Sensationalismus belohnt, ohne nach der Wirkung zu fragen. Die »Identitäre Bewegung« halluziniert die Situation, dass Weiße unterdrückt würden und auszusterben drohten. Die"
"Die Veränderungen durch Globalisierung und Digitalisierung führen zu großer Verunsicherung und Zukunftsangst. Selbst bei Leuten, die zuvor meinten, sich niemals Sorgen machen zu müssen. Für das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren, ist auch ein oft unterschätzter Faktor ausschlaggebend: Überforderung. Die Digitalisierung hat mit der Erweiterung der eigenen Möglichkeiten auch die Geschwindigkeit des Alltags erhöht. Die sprichwörtliche digitale Beschleunigung und Intensität erleben viele ohne Internet aufgewachsene Menschen als Überforderung. Ihnen entgleitet das Gefühl der Beherrschbarkeit der Dinge, mit denen sie im Alltag konfrontiert werden. In einer solchen Angst- und Abwehrstimmung erscheint Komplexitätsreduktion sehr attraktiv. Das gilt keinesfalls nur für Rechte, aber dort funktioniert die Schuldzuweisung besonders gut. Denn wenn Zuwanderung an allem schuld ist, dann ist auch die Lösung ganz einfach: Keine Zuwanderung. »Migration ist die Mutter aller Probleme«, sagte 2018 der deutsche Innenminister der CSU, Horst Seehofer. Der Satz hätte auch von AfD-Chef Gauland, Lega-Chef Salvini oder Ungarns Präsident Orbán stammen können. Oder von Trump. Rassismus ist eingepreist, aber die subtilere Botschaft ist, dass ganz einfach alles so werden könne wie früher. Der amerikanische Intellektuelle Mark Lilla erklärt diesen Zusammenhang so: »Die Reaktionäre unserer Zeit haben entdeckt, dass Nostalgie eine machtvolle politische Motivation ist, vielleicht noch stärker als die Hoffnung. Hoffnungen können enttäuscht werden, Nostalgie aber ist unwiderlegbar.«"
"Es gibt sehr viel mehr offene Stellen als Bewerber. Gerade diejenigen Bewerber aber, um deren Zuschlag die meisten Unternehmen ringen, vertreten immer selbstbewusster ihre Forderungen. Dabei ganz vorn sind eine ganze Reihe flexibler Arbeitsweisen. Einige darunter sind von der digitalen Bohème in die Welt der Festangestellten hineingesickert. Home Office zum Beispiel, das in den Niederlanden seit 2015 ein gesetzlich geregelter Rechtsanspruch von Arbeitnehmern ist. In mehreren skandinavischen Ländern gelten vergleichbare Regelungen, wodurch sich die Quote derjenigen, die wenigstens ab und zu von zu Hause oder unterwegs arbeiten, in wenigen Jahren fast verdreifacht hat. In Dänemark, Schweden und den Niederlanden liegt sie zwischen 30 und fast 40 Prozent. Auch der Wunsch nach einer Phasenflexibilität der Arbeit wird intensiver: Sabbatjahr oder Viertage-Woche werden eingefordert, andernfalls unterschreibt man den Arbeitsvertrag nicht. Wer erst einmal vom süßen Nektar der Arbeitsflexibilität gekostet hat, möchte selten dahinter zurückfallen."
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